Kampfsport-Unfallversicherung, 3 Dinge die du beachten solltest

Kampfsport-Unfallversicherung, 3 Dinge die du beachten solltest

Kampfsport-Unfallversicherung, gibt es das?

Kampfsport-UnfallversicherungKampfsport-Unfallversicherung

Gleich mal ganz vorneweg, es gibt zahlreiche Unfallversicherungstarife die für Kampfsportler nichts taugen und wenige Unfallversicherungen, die für Kampfsportler geeignet sind.

Auch wenn die Unfallversicherung im Versicherungs-Chinesisch als sogenannte Sachsparte zählt, so ist sie doch eine personenbezogene  und auf deinen Körper ausgerichtete Versicherung. Offensichtlich haben Versicherer im Personenbereich gegen Kampfsportlerinnen und Kampfsportlern mehr Ressentiments als man denken würde. Obwohl zahlreiche Gesetzliche Krankenversicherungen die Kampfkünste inzwischen schon fast als Gesundheitsport einstufen (siehe AOK), sind viele Private Unfallversicherer immer noch ganz anderer Meinung.

Was du so alles im Kleingedrucktem finden kannst.

schlechte Unfallversicherung

Nicht versichert:

…….Ohne schriftlichen Nachweis der physiologischen Eignung der versicherten Person zur Ausführung der nachstehend beschriebenen Aktivitäten gilt ebenso nicht versichert die Teilnahme an Extrem-, Abenteuer- oder Erlebnissportarten wie Base-/Rock-Jumping, Boxen, Canyoning/Schluchting, Catchas- catch-can, Cliff- und Splash-Diving, Drachenfliegen in jeder Form, Extrem-/Freiklettern, Freeriding, Heli-Skiing/-boarding, Höhlentauchen, Kajaking, Motocross- und Quadtouren, ungeführte Mountainbikingtouren, Paragliding, Rafting (auch Snowrafting), Tauchen über 30 Meter Tiefe sowie die Ausübung von asiatischen und Full-contact-Kampfsportarten.

Grundsätzlich nicht mitversichert gelten Unfälle aus Gründen der schwerwiegenden Missachtung von oder des groben Verstoßes gegen die sportsüblichen Vorschriften oder Vorsichtsgebote bei einer regulär gedeckten Sportart. …..

Was bitte sind: …sportsüblichen Vorschriften oder Vorsichtsgebote bei einer regulär gedeckten Sportart? Das Fußballer, Schienbeinschoner tragen ist wohl sportüblich, wenn er jedoch beim Training das Tragen des Schoners versäumt, ist das schon einen schwerwiegende Missachtung? Ich bin mir sicher im Schadensfall wird der Versicherer genau diese Schublade ziehen.

Aber noch ein Auszug aus dem Kleingedruckten:

schlechte Unfallversicherung

Welche Unfälle sind ausgeschlossen?

Kein Versicherungsschutz besteht für Unfälle:

Die die versicherte Person bei Kampfsportarten mit vollem Körperkontakt (wie zum Beispiel: Boxen, Karate, Kickboxen, Escrima oder ähnlichen Sportarten) oder Semikontakt (wie zum Bespiel: Judo, Taekwondo oder ähnlichen Sportarten) erleidet.

Oder ÄHNLICHEN???

Wieder wird der Willkür des Versicherers Tür und Tor geöffnet.

Genügend Versicherungsgesellschaften fragen obwohl sie solche Ausschlüsse in Ihren Verträgen haben noch nicht einmal im Antrag nach den angeblichen Risiko-Sportarten. Und da es oft so ist, dass Versicherung auf Vertrauen aufbaut haben viele Kunden noch nie tiefer in das “Kleingedruckte” reingeschaut. Im Klartext: Viele Kampfsportler wissen nicht ob Ihre Kampfkunst versichert ist oder nicht.

Noch mehr Stolperfallen

Achtung Unfallversicherung

Unfallfolgen in Folge von überhöhter Kraftanstrengung

Bei älteren, Billig-, oder Einsteiger-Tarifen sind “Unfallfolgen in Folge von überhöhter Kraftanstrengung” nicht mitversichert. Erst in neuerer Zeit und bei sogenannten Premium-Tarifen wirst du dieses wichtige Merkmal einer Unfallversicherung als sogenannten Klausel im Versicherungsvertrag finden. Nur dann sind Unfallfolgen durch überhöhte Kraftanstrengung versichert.

überhöhte Kraftanstrengung

Was das Fehlen dieser Klausel für einen Sportler (lassen wir das “Kampf-” mal ganz außen vor) bedeutet, kann man vielleicht am Beispiel eines Gewichthebers am besten erklären. “Gewichtheber Max hat für seinen Amateur-Wettkampf lange  und ausdauernd trainiert. Endlich ist es soweit. Am Wettkampftag findet das Finale statt. WOW. Soviel hat er noch nie geschafft. Doch Konkurrent Wladimir legt noch mal 3 Kilo auf. Max gibt das letzte, er legt noch weitere 5 Kilo auf und …. Da passiert der Unfall ……” Das könnte durchaus ein Beispiel für eine Überhöhte Kraftanstrengung  im Sport sein. Kannst du dir bei deiner Kampfkunst ähnliches vorstellen?

Unfall durch Eigenbewegung

Bauch- oder Unterleibs-Brüche, Verrenkungen von Gelenken, Zerrungen und Zerreißungen von Muskeln, Sehnen, Bändern, Kapseln oder Menisken, sonstige Schädigungen an Gliedmaßen oder Wirbelsäule. Sind ebenfalls  noch selten in konventionellen und älteren Unfallversicherungsverträgen anzufinden. Für Bandscheibenschädigungen gilt der Einschluss solcher Schäden übrigens meist nicht.

Eigenbewegung

Ein Ruck, ein Wurf  zuviel, eine falsche Handbewegung beim Bruchtest und vieles mehr… könnte ich mir im Kampfsport vorstellen, aber auch die Blutgrätsche im Fussball, der Rempler im Handball und so weiter wären denkbare Möglichkeiten für Versicherer sich darauf  zu berufen im Leistungsfall nicht zahlen zu müssen wenn diese Klausel in deinem Unfallvertrag fehlt.

Laut Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) enthielten etwa 60 Prozent der rund 30 Millionen bestehenden Unfallpolicen nicht den Einschluss der Eigenbewegung. Im Endeffekt bedeutet das, dass sich mehr als die Hälfte aller Unfallversicherten schlichtweg nicht mehr bewegen sollten. Sicher etwas überspitzt dargestellt, was aber uns Kampfsportler angeht nicht von der Hand zu weisen.

Der Unfallbegriff der Versicherer

Spannend wird es wenn der Versicherer den Unfallbegriff per Definition strittig macht. Was ist damit gemeint?

Ein Unfall  hat im Versicherungs-Chinesisch eine genaue Definition:

Ein Unfall liegt vor, wenn der Versicherte durch ein plötzlich von außen auf seinen Körper wirkendes Ereignis unfreiwillig eine Gesundheitsschädigung erleidet.
Wichtig bei dieser Definition sind die folgenden fünf Merkmale: unfreiwillig, Gesundheitsschädigung, von außen, Ereignis und plötzlich. Fehlt eines oder mehrere dieser Merkmale, ist kein Unfall im Sinn der Unfall-Versicherungs-Bedingungen gegeben.

Unfallbegriff

Leider gab es in der Vergangenheit immer wieder Beispiele, dass Versicherer versucht haben bei Sportlern (wieder lasse ich ganz bewusst die Kampfkünste außen vor) die Unfreiwilligkeit in Frage zu stellen. So zum Beispiel bei Hand- und Fussball-Unfällen. Nachdem du nun gelesen hast welche Probleme manche Versicherer mit den Kampfkünsten haben, kannst du dir sicher vorstellen wie das bei einem Unfall bei Training oder Wettkampf von solchen Versicherern gehandhabt werden könnte.

 

 

Gibt es kampfsport-taugliche Unfallversicherungen?

Kampfsport-Unfallversicherung, 3 Dinge die du beachten solltest 1

Die Frage liegt jetzt natürlich auf der Hand. Einfach zu beantworten ist sie trotzdem nicht. Deshalb unsere Tipps was du als Kampfsportlerin und Kampfsportler bei der Auswahl deiner Unfallversicherung unbedingt beachten solltest.

Kampfsport Unfallversicherung Tipps

#1 Beschäftige dich mit den Ausschlüssen und Klauseln

  • Ist Kampfsport, Kampfkunst, Sport allgemein, Wettkampf, Training und so weiter irgendwo im Kleingedruckten des Versicherungsvertrags oder -Angebots ausgeschlossen? Oder gibt es Formulierungen, wie zum Beispiel: “… nicht versichert sind Teilnahme an Veranstaltungen die das Erreichen einer Höchstleistung (gerne wird auch “persönliche Höchstleistung” formuliert) zum Ziel haben….”
  • Sind die oben angeführten Klauseln explizit im Versicherungsschutz eingeschlossen?
  • Achte darauf, dass Versicherer oft ein Druckstück für beispielsweise 3 Tarife verwenden. Es kann durchaus sein, dass du den “Basis-Tarif” abgeschlossen hast oder abschließen möchtest. Die Erweiterungen “überhöhte Kraftanstrengung oder Eigenbewegung” aber erst für den “Premium-Tarif” gelten. Du musst da sehr genau aufpassen.

#2 Lass dir schriftlich Zusichern, das deine Kampfkunst versichert ist

  • auch wenn die Versicherungsbedingungen erst mal gut aussehen. Halte im Versicherungsantrag fest, dass du ausdrücklich wünschst dass deine Kampfkunst als mitversichert gilt.
  • Achte im Versicherungsschein den du dann erhältst, darauf dass es dort auch als “Besondere Vereinbarung” notiert ist, ist es das nicht ist im Zweifel dein Vermerk auf dem Antrag nicht gültig.

#3 Wähle die richtige Versicherungssummen

Eine Unfallversicherung ist nicht für die “kleinen” Verletzungen des Lebens, sondern für großen und bleibenden Folgen eines Unfalls. So empfiehlt zum Beispiel die Stiftung Warentest:

Nur hohe Summen helfen im Notfall

Ein wichtiger Punkt: Die Versicherungs­summen müssen hoch genug sein. Die Tarife sollten bei Vollinvalidität mindestens 500 000 Euro und bei einer Invalidität von 50 Prozent mindestens 100 000 Euro auszahlen.

Quelle: www.test.de

Das trifft sich auch mit unserer Empfehlung. Aber ACHTUNG!

Der Trick mit Grundsumme und der Progression

Es gibt Versicherer die erst ab einem sogenannten Invaliditätsgrad von mehr als 90% eine höhere Leistung bezahlen. Darunter ist die Leistung so gering dass du von 100.000 Euro oder gar 500.000 Euro weit, weit entfernt bist. Solche Mogelpackungen solltest Du vermeiden.

Wenn du genauer wissen möchtest wie das mit der Grundsumme und der Progression funktioniert, kannst du dir hier eine Übersichert als PDF herunterladen.

 

Ein abschließender Tipp zum Thema Kampfsport-Unfallversicherung

Du kannst dir die Mühe natürlich auch ersparen und eine Kampfsport-Unfallversicherung bei uns abschließen. Wir haben die Auswahl der in Frage kommenden Versicherer bereits nach Kampfsport Tauglichkeit eingeschränkt und überprüft und empfehlen dir ausschließlich Unfallversicherungen die unseren Kampfsport-Kriterien entsprechen.

In der nächsten Zeit wirst du hier auch einen Link finden zur Kampfsport-Unfallversicherung von kampfsport.versichert. Schau also immer mal wieder vorbei. 🙂

Willst du noch mehr über Unfallversicherung, Kampfsport-Unfallversicherung und Versicherungen für Kampfsport und Kampfkunst wissen?

Hier haben wir ein paar Links für dich zusammengetragen: